Ihr Kind 5-11 Jahre

Papierbuch, digitales Buch, was ist der Unterschied für mein Kind?


Dies ist die Frage, die wir Marie-Josèphe Rançon, Logopädin und Beraterin für Lesbarkeit bei Bayard Jeunesse, gestellt haben. Seine Antworten in 7 Punkten.

  • 1. Es geht nicht mehr darum, das Papierbuch und das digitale Buch abzulehnen, beide existieren und jeder kann etwas mitbringen. Diese beiden Medien erzeugen unterschiedliche Leseerlebnisse, was insbesondere beim Lesenlernen nicht ohne Folgen bleibt.
  • 2. Die Lektüre in einem "Papierbuch" sorgt für eine Linearität: Das Kind sieht, wo der Beginn der Geschichte ist, blättert in der Geschichte weiter, nimmt wahr, dass es in der Geschichte voranschreitet, um dann am zu gelangen letzte Seite. Wenn er auf einem Tablet liest, sind die Elemente mobil. Der Text und das Bild kommen an und gehen zurück auf den Bildschirm, es ist das Kind, das seinen Weg in die Geschichte baut.
  • 3. Die Aufmerksamkeit und das Auswendiglernen des Kindes, die notwendig sind, um den Verlauf der Geschichte zu verfolgen, werden durch die "Unbeweglichkeit" des Papiers erleichtert: Die Worte, die Illustrationen bewegen sich nicht. Das Kind weiß, dass es zurückkommen kann, indem es die Seiten umblättert. Zu viele Anfragen über den Kanal von Ton- oder Bildanimationen oder Spielen parallel zur Erzählung lenken die Aufmerksamkeit auf ein anderes Projekt als das Projekt des Lesens. Ein Anfänger oder sogar ein Anfänger, der sich in seinem Lernen wohl fühlt, kann gestört werden.
  • 4. Für ein digitales Buch wie für ein Papierbuch ist es wichtig, das Lesen entsprechend dem Alter des Kindes, seinen Vorlieben und Wünschen, aber auch seiner Aufmerksamkeit, der Reflexion, der Vorstellungskraft.
  • 5. Für Kinder mit Lernschwierigkeiten kann das Lesen auf einem Tablet neue Horizonte eröffnen. Das Kind, das sich aufgrund seiner Lesefähigkeit weniger beurteilt fühlt, wird mehr nach Vergnügen suchen.
  • 6. Die Rolle der Eltern mit dem Kind bleibt bei einem digitalen Buch oder einem Papierbuch gleich. Wenn das Kind sehr klein ist, ist der Elternteil ein "Super-Erzähler": Das kleine Kind denkt, dass sein Vater oder seine Mutter Teil der Geschichte ist und dass die Geschichte für ihn allein gemacht ist. Wenn das Kind groß ist, wird das Elternteil zum Schmuggler: Er hilft dem Kind, sich gut zu positionieren, um den Faden der Geschichte zu entfalten. Entweder erzählt er, oder er liest den geschriebenen Text, oder er kommentiert: Er schlägt dem Kind eine Situation gemeinsamer Aufmerksamkeit vor - so der Ausdruck des Psychoanalytikers Jacques Lévine. Er ist auch da, um das Kind zu begleiten, wenn es zu Missverständnissen kommt oder wenn die Emotionen überfluten.
  • 7. Nach dem Lesen auf Tablett oder Papier ist eine Zeit des Eltern-Kind-Austauschs sehr nahrhaft. Es ist keine Befragung, sondern ein Gespräch, damit das Kind seine Gedanken, seine Gefühle, seine Überlegungen zu den Figuren, zur Geschichte des Buches, aber auch zum Leben verbalisieren kann!

Interview geführt von Odile Amblard